Samstag, 29. April 2017

[Rezension] Die Chroniken der Fae - In Liebe und Hoffnung


Autor: Ruth Frances Long
Übersetzer: Karen Gerwig
ir. Originaltitel: A Darkness at the End: The shadows know your name (2016)
Verlag: cbt
Seiten: 480
Erscheinungsdatum: 17.04.2017
ISBN: 978-3-570-31140-0
Taschenbuch; 9,99€

Die Chroniken der Fae-Trilogie:

! ACHTUNG - ENTHÄLT SPOILER ZU DEN VORGÄNGERN !



Klappentext:

Das Gleichgewicht zwischen Menschen und Fae, Engeln und Dämonen ist aus dem Lot geraten. Und Izzy, die vielleicht die Einzige wäre, die etwas dagegen tun könnte, hat einen Großteil ihres Gedächtnisses verloren. Nur der schmerzliche Verlust von Jinx steht ihr immer noch deutlich vor Augen. Einsam und verwirrt spürt Izzy, wie eine bedrohliche Dunkelheit immer näher kommt. Mithilfe ihrer Freunde zieht sie in den Kampf, um die Welt zu retten – auch wenn sie dabei Himmel und Hölle, die Armee der Sidhe und die Menschheit gegen sich hat …


Äußere Erscheinung:

Hm, ja. An sich fasziniert mich diese Mischung aus Foto und Zeichnung, auch wenn ich von dem Mädchen nicht so hundertprozentig überzeugt bin.

Meine Erwartung:

Ich fand den zweiten Band noch besser als den ersten und war somit, auch dank des Cliffhangers, gespannt auf den Abschluss der Trilogie. Daher habe ich das Buch beim Bloggerportal angefragt und freundlicherweise ein Exemplar zugesandt bekommen - vielen Dank nochmal dafür an den Verlag!

Meine Meinung:

Der Einstieg war nicht ganz so einfach, was aber lediglich daran lag, dass das Lesen der Vorgänger bei mir schon ein Weilchen her war. Der Leser wird direkt ins Geschehen geworfen und es dauerte ein wenig, bis ich die ganzen Namen und vorangegangenen Ereignisse wieder auf die Reihe bekam.

Izzy ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass man sich nicht einfach uralte Macht aneignen kann, ohne dass das Folgen hat. Fatale Folgen. Nach dem Lesen des Buches der Geschichtenerzählerin hat sie große Teile ihres Gedächtnisses verloren, wobei die typische tragische Amnestie-Story zu meiner Erleichterung ausblieb. Drama - ja. Aber Izzy weiß noch genug, um einen groben Überblick zu haben und eigenständig handeln zu können.
Nichtsdestotrotz ist sie ein emotionales Wrack mit Gedächtnislücken. Sie verletzt sich selber - was an sich ein sensibles Thema ist, umgekehrt aber zeigt, dass man auch als Heldin, bis dato aber ganz normales Mädchen mit den Geschehnissen nicht einfach so zurechtkommt. Ich sah da keine Herabwürdigung von selbstverletzendem Verhalten, von daher geh ich da jetzt auch nicht näher drauf ein.
Insgesamt ist Izzy aber auch abgehärteter, nicht mehr das unschuldige, freundliche Mädchen, sondern von dunkler Wut angetrieben, nicht länger bereit, alles mit sich machen zu lassen. Sie handelt entschlossen, oft eigenmächtig und vor allem selbstbewusst, stellt klare Forderungen und setzt ihren Willen durch. Auch wenn sie sich nicht mehr an alles erinnern kann. Sie ist damit alles andere als ein wehrloser Spielball oder ein unschuldiges Mädchen.

Die schon in den Vorgängern aufgebauten Hintergründe sind wie bereits in den entsprechenden Rezensionen erwähnt sehr komplex. Einerseits faszinierte mich das, weil so alle Gründe für ihr Handeln haben und ein interessantes Weltbild entsteht, das irische mit christlicher Mythologie verbindet, neue Legenden schafft und alte einwebt. Ein Weltbild, das Gruppen schafft, die sich gegenseitig abgrundtief hassen, aber auch im Inneren oft gespalten und von Hass getränkt sind, die ihre Machtansprüche durchsetzen wollen, Intrigen spinnen und die seit dem Bruch des Vertrages ein Pulverfass darstellen, das jederzeit hochgehen kann, mit der dezent wahnsinnig gewordenen Holly als Krönung.
Andererseits besteht auch die Gefahr, sich leicht in Details zu verlieren und in Nebenhandlungen zu verstricken, gerade weil es so viele Standpunkte gibt, so viele Legenden und Verknüpfungen, und auch in diesem Band neue Aspekte dazukommen. Dadurch ergibt sich eine unheimliche Dichte dieses detailreichen Konstrukts, das auf der einen Seite Tiefgründigkeit und Nachvollziehbarkeit bietet, auf der anderen Seite manchen aber auch zu viel werden könnte.
Nichtsdestotrotz gebührt der Autorin Respekt dafür, wie sie diese Details verbunden hat, wie jeder Charakter Gründe für sein Handeln hat und wie die Geschichten der einzelnen Figuren miteinander verbunden wurden.

Die Handlung habe ich als sehr fesselnd und nicht wirklich vorhersehbar empfunden. Action ist definitiv vorhanden. Auch dieser Teil wurde abwechselnd aus Izzys, Dylans und Jinx‘ Sicht erzählt. Auch wenn die Liebesgeschichte im Gegensatz zu der restlichen Story, also dem Aufhalten von Holly und dem drohenden Chaos, der Rettung Jinx‘ und Izzys und was sonst noch so alles ansteht, eher im Hintergrund steht, spielt sie trotzdem eine gewisse Rolle, ohne jedoch kitschig zu werden.
Wie bereits in meiner Rezension zum zweiten Teil erwähnt, gefällt mir an dieser Trilogie auch, dass Izzy nicht alleine die Welt retten muss bzw. dass ihr Vater immer noch den Hauptjob des Grigori erledigt - in den meisten YA-Büchern wäre er tot und Izzy hätte aus dem Nichts allein diese Aufgabe übernehmen müssen, aber in dieser Reihe ist er noch da, was mal eine angenehme Abwechslung ist. Auch wenn die Situation trotzdem nicht viel rosiger aussieht. ^^

Insgesamt gibt es viele vielschichtige Charaktere, manche, wie Ash, Clodagh und Dylan sind dabei auch sehr liebenswürdig. Gerade die Beziehung zwischen Ash und Clodagh fand ich sehr süß, und auch Dylan hat sich zu einem starken Charakter entwickelt, der Silvers Magie zu nutzen weiß und auch ein selbstbewusstes Auftreten beherrscht, mit dem er sich auch gegen Sidhe, Dämonen und Co. zur Wehr setzt.
Jinx ist mal wieder unter Hollys Fuchtel. Es kommen durchaus auch schwache Seiten an ihm zum Vorschein, aber gleichzeitig kämpft er gegen Holly und für seinen eigenen Willen, für Izzy.


Fazit: Fesselnder, spannender und actionreicher Abschluss der Trilogie mit einem sehr komplexen und detailreichen Weltenaufbau, der Gründe für das Verhalten der Charaktere liefert und dieses so nachvollziehbar und die Figuren vielschichtig werden lässt; außerdem mit einer Protagonistin, die die erworbene Macht verändert hat und hin zu einem Charakter mit düsteren Abgründen geformt hat, der dennoch entschlossen, selbstbewusst und eigenständig seinen Willen durchsetzt





Vielen Dank an den Verlag!



Quelle Cover & Klappentext: cbt
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